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KOLUMNE / PERSÖNLICHER RÜCKBLICK

Die Faszination GTA und Cheats: Warum der Spaß nach der Story erst richtig losgeht

Ein Sportwagen, eine lange Straße und ein Cheat, der ein Auto abheben lässt. Mehr brauchte ich damals nicht für einen großartigen Abend.

VON ERIK · · 5 MIN. LESEZEIT

Ein roter Infernus fährt mit dem SEAWAYS-Cheat über das Wasser in GTA Vice City.
Aus Straße wird Wasserweg: Der SEAWAYS-Cheat verändert, wie man Vice City erkunden kann. Bildquelle: MightyMaximus21, Steam Community ↗. Spielgrafik © Rockstar Games / Take-Two Interactive.

Ich saß vor meiner ersten Xbox, fuhr durch Vice City und versuchte, aus einem Wagen ein Flugzeug zu machen. Meistens wurde daraus kein besonders eleganter Flug. Aber genau das war Teil des Vergnügens.

Heute bin ich 35 und freue mich auf GTA 6. Wenn ich darüber nachdenke, woher diese Begeisterung kommt, lande ich immer wieder bei solchen Momenten.

Als Vice City plötzlich alles möglich machte

In meiner Grundschulzeit faszinierte mich vor allem Driver. Einfach durch eine Stadt fahren zu können, ohne einer festen Rennstrecke folgen zu müssen, war für mich etwas Besonderes. Ich konnte abbiegen, stehen bleiben und meinen eigenen Weg suchen.

Dann sah ich bei einem Schulkameraden GTA Vice City.

Palmen, pastellfarbene Häuser, das Meer und Musik aus dem Autoradio: Diese Stadt hatte sofort etwas, das mich nicht mehr losließ. Die Grafik wirkte auf mich damals beinahe fotorealistisch. Heute sieht man die kantigen Figuren und einfachen Texturen. Damals sah ich eine Welt, in die ich unbedingt hineinwollte.

Besonders beeindruckten mich ihre kleinen Reaktionen. Wurde ein Passant verletzt, konnte ein Krankenwagen auftauchen. Sanitäter stiegen aus und kümmerten sich um ihn. Solche Details ließen Vice City für mich lebendig wirken.

Und anders als in dem Driver, das ich damals kannte, konnte ich einfach aussteigen. Zu Fuß weitergehen, ein anderes Auto nehmen, irgendwo hineinlaufen und schauen, was passiert. Aus einer Stadt zum Durchfahren wurde eine Stadt zum Entdecken.

Auf meiner Xbox der ersten Generation habe ich damit viele Stunden verbracht. Und recht früh kamen die Cheats dazu.

Ein Code, und der Abend nahm eine andere Richtung

Natürlich konnte man sich mit Cheats eine schwierige Situation erleichtern. Für mich waren sie aber vor allem eine Einladung zum Experimentieren.

Besonders nach dem Ende der Geschichte bekam Vice City dadurch einen neuen Reiz. Es musste kein Auftrag mehr erledigt werden. Ich konnte mir selbst etwas vornehmen – und sei es nur der Versuch, mit einem Sportwagen möglichst lange in der Luft zu bleiben.

Anlauf nehmen, beschleunigen, abheben. Dann herausfinden, ob das diesmal ein brauchbarer Flug wurde oder eine ziemlich ungewöhnliche Landung. Ein gescheiterter Versuch war kein verlorener Fortschritt. Er war ein Grund, es noch einmal zu probieren.

Schon Vice City bot mit seinen eingebauten Codes erstaunlich absurde Möglichkeiten. Autos konnten abheben oder mit dem passenden Cheat über Wasser fahren. Die vertraute Stadt bekam dadurch neue Wege, neue Regeln und neue Geschichten.

Mit San Andreas wurde dieser Spielplatz noch größer. Mehrere Städte, Landstraßen, Flughäfen und Landschaften, in denen man sich wunderbar verlieren konnte. Dazu kamen Möglichkeiten wie ein per Cheat abrufbarer Jetpack. Plötzlich war selbst der Weg über die Dächer eine Option.

CJ schwebt mit einem Jetpack über einer Straße in GTA San Andreas.
San Andreas aus einer anderen Perspektive: CJ mit Jetpack über Jefferson. Das Bild zeigt das Gerät im Einsatz, nicht den Moment der Cheat-Eingabe. Bildquelle: PC Gamer ↗. Spielgrafik © Rockstar Games / Take-Two Interactive.

GTA IV begeisterte mich später besonders mit seiner Fahrphysik. Die Autos hatten Gewicht, und schon eine schnelle Fahrt durch Liberty City konnte ein Erlebnis sein.

Wie absurd die Reihe werden konnte, zeigte auch die Erweiterung The Ballad of Gay Tony: Mit dem Super-Punch-Cheat wurde aus einem Faustschlag eine Explosion. Liberty City sah weiterhin aus wie eine ernsthafte Großstadt – nur galten plötzlich ziemlich eigenartige Regeln.

Luis Lopez löst mit einem Faustschlag eine Explosion aus: Super Punch in GTA IV The Ballad of Gay Tony.
Ein Faustschlag mit Explosionswirkung: Super Punch gehört zu GTA IV: The Ballad of Gay Tony, nicht zum Grundspiel. Bildquelle: Altered Gamer, Cheat-Guide ↗. Spielgrafik © Rockstar Games / Take-Two Interactive.

GTA V führte mich schließlich zurück nach Los Santos und ins Umland. Auch dort gab es mit Supersprüngen oder veränderter Schwerkraft Möglichkeiten, die Welt auf ganz eigene Weise zu benutzen. Ein Zaun, ein Auto oder ein niedriges Dach war mit dem passenden Code plötzlich ein Anlass, Anlauf zu nehmen.

Franklin springt in GTA V mit Super Jump auf Höhe der Dächer entlang der Strandpromenade.
Los Santos als Hüpfparcours: Franklin beim Supersprung an der Strandpromenade. Bild aus der Super-Jump-Demonstration; der PC-Code lautet HOPTOIT. Bildquelle: GTA BOOM / Matt Gibbs ↗. Spielgrafik © Rockstar Games / Take-Two Interactive.

Warum Cheats zur GTA-Kultur gehören

Für viele Fans gehören Cheats zu GTA wie Radiosender, Verfolgungsjagden und der spontane Entschluss, die nächste Mission auf später zu verschieben. Gemeint sind die eingebauten Codes im Einzelspieler: Möglichkeiten, mit denen man seine eigene Spielwelt verändern kann.

Ihr Reiz liegt darin, dass sie neue Ideen auslösen. Was lässt sich kombinieren? Wohin komme ich damit? Wie lange geht das gut?

Aus solchen Fragen entstehen die Erlebnisse, die man später weitererzählt. Kein Autor hat diese konkrete Szene geschrieben. Kein Missionsziel hat sie verlangt. Sie ist passiert, weil man etwas ausprobieren durfte.

Genau deshalb würde ich Cheats bei GTA niemals auf „Schummeln“ reduzieren. Sie verlängern den Spaß, verändern den Blick auf bekannte Orte und geben einem nach der Geschichte einen guten Grund zurückzukehren. Für mich gehören sie zu dem, was GTA so unverwechselbar macht.

Auf GTA 6 freue ich mich deshalb auch mit dieser Erwartung: eine neue Welt entdecken, ihre Möglichkeiten kennenlernen und hoffentlich irgendwann wieder ihre Regeln verbiegen dürfen.

Vielleicht beginnt der beste Abend dann erneut mit einem Sportwagen, einer langen Straße und einer ziemlich bescheuerten Idee.

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